Werner Aisslinger Biografie und Werk des deutschen Möbeldesigners
Kaum ein deutscher Name steht so sehr für experimentelles, materialgetriebenes Möbeldesign wie Werner Aisslinger. Seit den 1990er-Jahren prägt der Berliner Designer mit seinen Arbeiten die internationale Design-Szene und hat mit Stücken wie dem Juli Chair oder dem LoftCube Designgeschichte geschrieben. Dieser Artikel gibt einen umfassenden Überblick über seinen Werdegang, seine bekanntesten Projekte und die Philosophie, die hinter seinem Schaffen steht.
Wer ist Werner Aisslinger?
Werner Aisslinger wurde am 3. November 1964 in Nördlingen geboren, einer kleinen Stadt in Bayern, die vor allem für ihre gut erhaltene mittelalterliche Altstadt bekannt ist. Von dort aus führte sein Weg ihn schließlich nach Berlin, wo er seit den frühen 1990er-Jahren lebt und arbeitet. Heute zählt er zu den bekanntesten deutschen Vertretern eines Designs, das sich weniger an kurzlebigen Trends als an neuen Materialien, Technologien und gesellschaftlichen Fragestellungen orientiert.
Wer sich mit zeitgenössischem deutschem Möbeldesign beschäftigt, kommt an diesem Namen kaum vorbei. Seine Entwürfe finden sich nicht nur in Wohnzimmern und Büros, sondern auch in den permanenten Sammlungen bedeutender Museen weltweit – ein deutliches Zeichen für die Anerkennung, die sein Werk in der internationalen Fachwelt genießt.
Werdegang und Ausbildung
Studium in München
Seine akademische Laufbahn begann nicht direkt im Design, sondern in einem eher theoretischen Bereich: 1986/87 studierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München Kunstgeschichte sowie Kommunikationswissenschaft. Diese frühe Beschäftigung mit kulturellen und kommunikativen Zusammenhängen sollte später sein gestalterisches Denken maßgeblich beeinflussen.
Design-Studium an der Universität der Künste Berlin
Von 1987 bis 1992 studierte er anschließend Design an der Universität der Künste Berlin, wo er sein Diplom erwarb. Berlin wurde damit schon während seiner Ausbildung zum zentralen Ort seines Schaffens – eine Verbindung, die bis heute Bestand hat.
Praktische Stationen bei internationalen Designgrößen
Parallel zu seiner Ausbildung sammelte er zwischen 1989 und 1992 praktische Erfahrung bei einigen der einflussreichsten Namen der internationalen Designszene: Er arbeitete als Freelancer für Jasper Morrison und Ron Arad in London sowie für das Studio von Michele De Lucchi in Mailand. Diese Stationen bei etablierten Designern gaben ihm nicht nur handwerkliches Rüstzeug, sondern auch Einblicke in unterschiedliche Designphilosophien und Arbeitsweisen, die sein späteres eigenständiges Schaffen mitprägten.
Gründung von Studio Aisslinger
1993 gründete Werner Aisslinger sein eigenes Studio in Berlin: Studio Aisslinger. Der erste Sitz befand sich am Oranienplatz im Szenebezirk Kreuzberg – zu jener Zeit ein Ort im Umbruch, geprägt von der Aufbruchsstimmung des wiedervereinigten Berlins. Später zog das Studio in die Heidestraße im Tiergarten-Viertel um, wo es bis heute ansässig ist.
Von Beginn an war das Studio breit aufgestellt: Es arbeitet nicht nur im klassischen Produktdesign, sondern auch im Bereich Interior sowie an architektonischen Konzepten. Diese Interdisziplinarität unterscheidet die Arbeit des Designers von vielen reinen Möbeldesignern und erklärt, warum seine Projekte oft über das klassische Möbelstück hinausgehen.
Design-Philosophie
Was die Arbeit von Werner Aisslinger im Kern auszeichnet, ist eine intensive Auseinandersetzung mit Materialien und Technologien – oft lange bevor diese in der breiten Designwelt Einzug halten. Statt auf bewährte Werkstoffe zu setzen, sucht er gezielt nach neuen, teils unkonventionellen Materialien und Herstellungsverfahren.
Zu den Werkstoffen, mit denen er im Laufe seiner Karriere experimentiert hat, zählen unter anderem:
- Gel
- Aluminiumschaum
- Neopren
- Dreidimensionale Gewebe
- Naturfasern wie Hanf
Diese Materialexperimente sind kein Selbstzweck. Vielmehr stehen sie im Dienst einer übergeordneten Fragestellung, die sein gesamtes Werk durchzieht: Wie werden Menschen in Zukunft leben und arbeiten? Design wird bei ihm damit zu einem Werkzeug, um gesellschaftliche Entwicklungen vorwegzunehmen und gestalterisch zu beantworten – sei es durch neue Wohnformen, veränderte Arbeitswelten oder den bewussteren Umgang mit Ressourcen.
Bekannte Werke und Projekte
Juli Chair (1996, Cappellini)
Einer der bedeutendsten Entwürfe in der Karriere des Designers ist der Juli Chair, den er 1996 für den italienischen Hersteller Cappellini entwarf. Der Sessel gilt als weltweit erstes Möbelstück, das aus Polyurethan-Integralschaum gefertigt wurde – einem Material, das ursprünglich aus der Automobilzulieferindustrie stammte und für den Möbelbau neu erschlossen wurde. Diese technische Innovation machte den Stuhl zu einem Meilenstein der Designgeschichte: Er wurde als erstes deutsches Stuhldesign seit 1964 in die permanente Sammlung des Museum of Modern Art (MoMA) in New York aufgenommen.
Soft Cell und die „Soft“-Kollektion (Zanotta, 2000)
Im Jahr 2000 sorgte er mit seiner Gel-Möbelkollektion „Soft Cell“ sowie der Chaiselongue „Soft“ für den italienischen Hersteller Zanotta erneut für Aufsehen. Die Verwendung von Gel als Sitzmaterial war zu diesem Zeitpunkt ein ungewöhnlicher und viel beachteter Ansatz im Möbeldesign.
LoftCube (seit 2003)
Ein weiteres Schlüsselprojekt ist der LoftCube, ein mobiles, modulares Wohnmodul, das ursprünglich für die Installation auf Dachflächen konzipiert wurde. Das Projekt zählt zu den meistdiskutierten Beiträgen zum Thema modulares und transportables Wohnen der vergangenen Jahre und wird bis heute weiterentwickelt. Es steht exemplarisch für die architektonische Seite seines Schaffens und für seine Auseinandersetzung mit neuen, flexiblen Wohnformen im urbanen Raum.
Hemp Chair (2012, Moroso)
Mit dem Hemp Chair, den er 2012 für den italienischen Hersteller Moroso entwarf, setzte er ein frühes Zeichen in Richtung nachhaltiger Materialien. Der Stuhl gilt als weltweit erster Monochair aus Naturfaser und zeigt, wie Naturmaterialien mit industriellem Design verbunden werden können.
Mesh (2007)
Mit dem Projekt Mesh aus dem Jahr 2007 schuf er ein leichtes, modulares System aus transluzenten, dreidimensional gewebten Textilstrukturen, das zur Unterteilung offener architektonischer Räume dient. Auch dieses Projekt verbindet Produktdesign mit räumlichen, architektonischen Fragestellungen.
Swing Sofa und weitere Arbeiten
Für den Schweizer Möbelhersteller Vitra entwarf er unter anderem das Swing Sofa. Darüber hinaus arbeitete er im Laufe seiner Karriere mit weiteren namhaften Herstellern wie Magis, Porro und erneut Zanotta zusammen – ein Beleg für die Kontinuität und Reichweite seiner internationalen Kooperationen.
Kunden und Kooperationen
Die Liste der Unternehmen, mit denen Werner Aisslinger im Laufe seiner Karriere zusammengearbeitet hat, ist lang und branchenübergreifend. Im Möbelbereich zählen zu seinen Auftraggebern unter anderem Cappellini, Vitra, Zanotta, Magis, Moroso und Thonet.
Doch sein Wirkungskreis reicht deutlich über klassische Möbelhersteller hinaus. Auch Unternehmen wie Mercedes-Benz, Adidas, Hugo Boss, Marc O’Polo und Bombay Sapphire haben mit ihm zusammengearbeitet, was die Bandbreite seines gestalterischen Ansatzes unterstreicht – von Produktdesign über Markenkonzepte bis hin zu räumlichen Inszenierungen.
Im Bereich Interior Design ist außerdem sein Beitrag zum 25hours Hotel Bikini Berlin erwähnenswert, bei dem er unter anderem für die Gestaltung der Urban Twin Zimmer verantwortlich zeichnete. Solche Projekte zeigen, wie eng Produktdesign, Innenarchitektur und Raumkonzept in seiner Arbeit miteinander verzahnt sind.
Auszeichnungen und Anerkennung
Die Qualität und Innovationskraft seiner Arbeit wurde im Laufe der Jahre mit zahlreichen internationalen Preisen gewürdigt. Zu den bedeutendsten zählen:
- Der Compasso d’Oro, einer der renommiertesten Designpreise Italiens, den er mehrfach erhielt
- Der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland
- Der Red Dot Award
- Der FX Award aus Großbritannien
- Die Auszeichnung als AW Designer of the Year, verliehen 2014 in Köln
Neben diesen Preisen ist auch die museale Präsenz seines Werks ein wichtiger Indikator für seine Bedeutung in der Designwelt. Seine Arbeiten sind Teil der permanenten Sammlungen bedeutender internationaler Häuser, darunter das Museum of Modern Art (MoMA) und das Metropolitan Museum in New York, die Neue Sammlung in München, das Vitra Design Museum im baden-württembergischen Weil am Rhein sowie das Victoria and Albert Museum in London.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
u003cstrongu003eWofür ist Werner Aisslinger bekannt?u003c/strongu003e
Er ist vor allem für sein experimentelles Design und seine intensive Materialforschung bekannt. Besonders der Juli Chair für Cappellini und das modulare Wohnprojekt LoftCube gelten als Meilensteine seiner Karriere.
u003cstrongu003eWo wurde Werner Aisslinger geboren?u003c/strongu003e
Er wurde am 3. November 1964 in Nördlingen in Bayern geboren.
u003cstrongu003eWas ist der LoftCube?u003c/strongu003e
Der LoftCube ist ein mobiles, modulares Wohnmodul, das ursprünglich für die Installation auf Dachflächen entwickelt wurde. Das seit 2003 laufende Projekt zählt zu den bekanntesten architektonischen Arbeiten des Designers.
u003cstrongu003eWo befindet sich Studio Aisslinger heute?u003c/strongu003e
Das 1993 gegründete Studio hat seinen Sitz in der Heidestraße im Berliner Tiergarten-Viertel, nachdem es zuvor am Oranienplatz in Kreuzberg beheimatet war.
Fazit
Von seiner Ausbildung in München und Berlin über prägende Lehrjahre bei internationalen Design-Ikonen bis zur Gründung des eigenen Studios: Der Werdegang von Werner Aisslinger zeigt einen konsequenten Weg, der durch Materialforschung und interdisziplinäres Denken gekennzeichnet ist. Mit Entwürfen wie dem Juli Chair, dem LoftCube oder dem Hemp Chair hat er nicht nur einzelne Designklassiker geschaffen, sondern auch nachhaltig gezeigt, wie neue Materialien und Technologien das Möbeldesign verändern können. Seine anhaltende Präsenz in renommierten Museumssammlungen und die Vielzahl internationaler Auszeichnungen unterstreichen, warum er bis heute zu den wichtigsten Stimmen des deutschen Designs zählt.













